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Finderglück: AVE-Mitglieder nach einem erfolgreichen Begehungstag im Bereich Lindum auf der zukünftigen Trasse der A94. Foto: Harald Krause.

Lindum in der Steinzeit

Der Archäologische Verein Erding (AVE) geht systematisch auf der zukünftigen Trasse der A94 im Isental auf die Suche nach den Spuren unserer Vorfahren.

Vergangenes Wochenende war es soweit: Die ersten systematischen Feldbegehungen (sog. archäologischen Surveys) auf der zukünftigen Autobahntrasse im Isental konnten mit 12 AVE-Vereinsmitgliedern gemeinsam mit dem Erdinger Archäologen Harald Krause durchgeführt werden. Die Begehungen, die zum Ziel haben, bisher unbekannte Fundstellen der Vor- und Frühgeschichte durch vom Ackerboden aufgesammelte Lesefunde zu lokalisieren, wurden im Vorfeld bestens organisiert. Werden dabei neue Fundstellen entdeckt, können dort – rechtzeitig in den Straßen-Bauablauf eingebunden – archäologische Ausgrabungen vor der endgültigen Zerstörung durch die Erdarbeiten durchgeführt werden. Die Begehungen liefern damit für die Autobahndirektion ein Stück Planungssicherheit. Ferner fanden sie in enger Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) statt.

Der im mittleren Isental seit vielen Jahren ehrenamtlich für die heimische Bodendenkmalpflege aktive Andreas Schöneck holte rechtzeitig bei allen relevanten Grundstückseigentümern zwischen Watzling und Lindum die Betretungserlaubnis für die Felder persönlich ein. Die Aufsammlungen wurden nur auf Flächen durchgeführt, die aktuell mit Mais bestanden sind. So wird beim Gehen in den Mais-Reihen keinerlei Flurschaden angerichtet. Wichtige Lesefunde wurden via GPS eingemessen. Oberhalb von Watzling konnten keine Siedlungsnachweise aufgelesen werden, im Bereich östlich und nördlich von Lindum jedoch sehr wohl. Dort ist bereits vor ca. 20 Jahren eine Fundstelle durch Luftbildarchäologie entdeckt worden und als Bodendenkmal in die bayerische Denkmalliste eingetragen worden. Die Begehungen oberhalb des Tales von Isen und Lappach zeigten jedoch, dass das prähistorische Siedlungsareal jedoch weitaus ausgedehnter ist, als bisher angenommen. Funde von Keramikscherben und von Feuersteinwerkzeugen belegen eine Siedlungsaktivität bereits zum Ende der Jungsteinzeit bzw. zum Beginn der Frühen Bronzezeit (ca. 2500 bis 2000 v.Chr.). Weiter konnte durch zahlreich ausgepflügt Eisenschlacke der Standort eines ehemaligen Rennfeuerofens zur Gewinnung von Eisenerz entdeckt werden. Wie alt dieser ist, ob er also z.B. bereits aus der Keltenzeit stammt, konnte anhand der Lesefunde nicht belegt werden. Eine einzelne keltische Scherbe weist zumindest zaghaft darauf hin. So werden – wann auch immer dort die Bagger zum Bau der A94 tatsächlich anrollen werden – an dieser Stelle fach- und sachgerechte bauvorgreifende Ausgrabungen stattfinden.

Nach der Reinigung und wissenschaftlichen Bestimmung des Fundgutes – hauptsächlich zerscherbte Gefäßkeramik des Mittelalters und der Neuzeit, welche einst über Jahrhunderte mit dem Stallmist auf die Felder aufgebracht wurde – wird ein fundierter Fundbericht an das BLfD verschickt werden. Dort wird schließlich die Entscheidung fallen, wie und in welchem Umfang dort Ausgrabungen stattzufinden haben. Die Begehungen im Isental sind deshalb von so großer Bedeutung, da leider auf der geplanten Autobahntrasse bisher kaum vorgeschichtliche Siedlungsplätze bekannt geworden sind. Ohne dessen Kenntnis würden jedoch keine Ausgrabungen stattfinden und somit Geschichtsquellen des Erdinger Landkreises für immer verloren gehen. Die fleißigen Sammler zeigten sich begeistert, so werden auch zukünftig mit Ihrer Hilfe weitere Begehungen stattfinden können. Aber nicht nur auf der A94, denn es stehen im Landkreis Erding in den kommenden Jahren bekanntermaßen noch weitere, die Landschaft durchschneidende lineare Bauprojekte an.

Durch den Einsatz der AVE-Mitglieder konnte trotz großer Hitze ein Stück Geschichte neu geschrieben werden, sie folgten damit dem Motto, das bereits 2009 bei Ausgrabungen auf der A94 bei Pastetten ins Leben gerufen wurde: „ Die A94 bring Geschichte zurück“. Interessierte Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Landkreis können sich gerne auf der Homepage des AVE (www.archaeologischer-verein-erding.de) informieren und sich melden, sofern sie selbst einmal aktiv an der archäologischen „Erdinger Geschichtsschreibung“ teilnehmen wollen!

Harald Krause